Eulenlöcher und ihre Aufgabe

Bei vielen reetgedeckten Walmdachhäusern findet sich ein sog. Eulenloch, manchmal auch U(h)lenloch genannt. Damit wird die Giebelöffnung unterhalb des Firstes bezeichnet. Diese Öffnung hatte ursprünglich zwei Funktionen: Zum einen diente sie als Rauchabzug, da wegen der Feuergefahr kein Schornstein durch das Reetdach geführt werden konnte. Zum anderen sollten Eulen und andere nützliche Tiere zum Mäusefang auf den Dachboden gelockt werden.

Eulenloch im Giebelkreuz vom Woermannhaus - rechts der Hengst · links die Stute · foto © by suse.

Auch das Woermannhaus besitzt Eulenlöcher, die jetzt allerdings mit Draht verschlossen sind. So hat der Marder keine Chance, es sich zwischen dem Reet und der heute vorhandenen Wärmedämmung gemütlich zu machen, aber die für den Erhalt eines Reetdaches notwendige Luftzirkulation ist weiterhin gegeben.

 

Pferdeköpfe als Giebelschmuck ...

... auf Reetdächern haben sie im norddeutschen Raum eine lange Tradition. Genauso lang ist die Liste der Deutungsversuche...
Sicher ist nur eines: Der Giebelschmuck hat einen praktischen Grund.
Der Giebel eines Reetdaches ist Witterungseinflüssen ganz besonders ausgesetzt. Um ihn beispielsweise vor einem Ausfransen bei Sturm zu schützen, werden sog. Giebelbretter angebracht, die sich über dem „Eulenloch“ im First kreuzen und über diesen hinausragen. Die Enden dieser Bretter wurden und werden meist verziert.

Pferdeköpfe als Giebelschmuck auf dem Fischland · fotos © by suse. Der Volksglaube hält eine Vielzahl von Erklärungen für diese Verzierungen bereit – keine davon ist wissen­schaftlich begründet. Mancher sieht in dem Giebelschmuck die Weiterentwicklung der sog. Neidstangen. Neid gehörte im Mittelalter wie der „Böse Blick“ zu den Übeln, vor denen man sich schützen musste. Dies geschah durch furchteinflössende Fratzen oder Tierköpfe an exponierter Stelle am Haus, um so die Dämonen zu bannen. Einer anderen Deutung nach soll es im Mittelalter üblich gewesen sein, neben einem Haus echte Pferdeköpfe auf Stangen aufzupflocken, die in die Richtung möglicher Feinde blickten. Dadurch sollten die Feinde verhöhnt und von einem Angriff abgehalten werden. Wieder andere Erklärungsversuche gehen auf Tieropfer zur Abwehr von Unheil jeglicher Art - Unglück, Krankheit, Blitzschlag, Raubüberfälle - zurück. Mit der Zeit traten dann hölzerne Pferdeköpfe an die Stelle der Tieropfer.



Und die Pferdeköpfe auf dem Woermannhaus?

Die echten Pferdeköpfe auf dem Haus sollen auf Hedwig Woermann zurückgehen.

 

Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst

Sie wurden in den 1960iger Jahren und 2008 erneuert. Hedwig Woermann soll die ersten echten Pferdeschädel in den 1920er Jahren auf einem Flohmarkt in Paris erstanden haben. Auf den Postkarten aus den Dreißiger Jahren sind sie bereits zu sehen. Das Paar, das bis 2007 das Dach zierte, stammte aus einer Abdeckerei in Berlin-Weißensee. Auch die Pferdeschädel, die heute das Dach schmücken, sind „echt“. Wer genau hinschaut, sieht, dass jeder der Schädel ein Loch im Oberkiefer hat und darunter ein Zahn fehlt - hier haben angehende Tierärzte gelernt, wie sie bei einem Pferd Zähne ziehen müssen. Und wer noch genauer hinschaut, erkennt auch, dass ein echtes Paar – Hengst und Stute - dem Haus und seinen Bewohnern Glück bringen soll!



Die Pferdeköpfe und ihre Symbolik

Unklar bleibt auch die Symbolik der Blickrichtung der Pferdeköpfe. Hier bietet der Volksglaube ebenfalls etliche Deutungen an, am populärsten sind dabei:

 Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst                                                                         

 

· einander zugewandte Pferdeköpfe „winken das Glück herein“,

· einander abgewandte wehren das Böse ab

 

· nach innen blickende Köpfe weisen auf die Einheirat des Mannes auf den Hof hin

· nach außen blickende Köpfe auf die Einheirat der Frau auf den Hof hin

 

Die Blickrichtung der Pferdegesichter zeigt an, ob der Besitzer frei ist oder unfrei (von der mittelalterlichen Leibeigenschaft).               





Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Pferdeköpfe_(Giebelschmuck)
http://www.historikhaus.de

 

 

Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
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  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst
  Hedwig-Woermannhaus im Ostseebad Wustrow auf dem Fischland Darss Zingst

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